Besprechungen im Überblick

“… Geschichten aus der Medizin können spannend wie ein Film sein – jedenfalls wenn Christian Weymayr sie erzählt, der gewiss auch einen brauchbaren Drehbuchautor abgeben würde. …”

“… Lesen, lesen, lesen, denn ein solch klares und flüssig geschriebenes Sachbuch ist selten zu finden.”

“… zeigt nicht nur Meilensteine der Medizingeschichte auf, sondern bringt jugendlichen LeserInnen deren Protagonisten auch als Menschen näher. …”

“... Besonders spannend sind die kontinuierlichen Einblicke in die Medizin von heute. …”

“… Anhand von 20 Persönlichkeiten … lässt Weymayr den Leser eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen, wo er an den historischen Orten die entscheidenden Ereignisse “live” mitverfolgen kann. … “

“… Informativ und spannend. Weymayr hat eine Menge Wissen kompakt zusammengefasst und interessant dargestellt.”

“… Die Geschichten über all diese Pioniere sind kurzweilig, trotzdem detailrichtig erzählt – und die „alternativen Therapien“ nach Hahnemann, von Bingen und Konsorten kommen nicht allzu gut weg. Gut so! …”

“... "Hippokrates, Dr. Röntgen & Co." liest sich spannend wie ein Roman und ist informativ wie ein Lexikon. ...”

“Der Titel klingt nach Heldenverehrung, doch ungeschoren kommen die Porträtierten nicht davon. ...”

“... Da es als Jugendbuch angelegt ist, kommt es ohne spitzfindige Details aus und könnte so manchen Teenager ermuntern, Arzt oder Forscher zu werden. Weil es gleichzeitig aber ein reiches Wissen vermittelt und so manche Entwicklung kritisch kommentiert, ist es auch für Erwachsene eine empfehlenswerte Lektüre. ...”

“... Weymayrs Buch ist ein ungewöhnlicher Beitrag zur Medizingeschichte – keine trockene Lektüre, sondern ein prallbuntes Zeit- und Sittengemälde. ...”

“... Garantiert informativer und letztlich spannender als jeder Arztroman, aber halt ohne Wimpernklimpern im OP.”

“ ... Ein wirklich gelungenes, sehr informatives Kinder- und Jugendsachbuch!”




Besprechungen vollständig

Psychologie heute, 03.08
Geschichten aus der Medizin können spannend wie ein Film sein – jedenfalls wenn Christian Weymayr sie erzählt, der gewiss auch einen brauchbaren Drehbuchautor abgeben würde. Die Porträts von Hippokrates, Dr. Röntgen & Co. (Bloomsbury, € 14,90) beginnen stets mit einer liebvoll ausgeschmückten Schlüsselszene. Doch es bliebt nicht bei Histörchen. Jeder der 20 vorgestellten Pioniere steht für eine folgenschwere Innovation – Hippokrates für das empirische Prinzip, Jenner für die Impfmethode, Semmelweis für die Hygiene, Anderson für die Gentherapie –, und stets schlägt Weymayr den Bogen zur medizinischen Gegenwart. Das Buch wendet sich an Jugendliche, meidet indes “kindgerecht”-belehrenden Jargon und darf getrost auch den Eltern zur Lektüre überlassen werden.


Bulletin Jugend & Literatur, 02.08
Mutige Männer im Kittel
Dass es vieler Wege bedurfte, bis die Medizin ihren heutigenn Standard erreichte, zeigt der Wissenschaftsjournalist Christian Weymayr mit Hippokrates, Dr. Röntgen & Co. Berühmte Pioniere der Medizin. Er beweist zudem, dass ein Sachbuch genauso spannend sein kann, wie ein Thriller.
Mit insgesamt 20 Biographien zeichnet Christian Weymayr die Grundzüge der Medizingeschichte nach. Dabei bewegt sich der Überblick von den Anfängen der medizinischen Wissenschaft bei Hippokrates im 5. Jh. v. Chr. bis hin zu French Anderson, der 1990 als erster erfolgreich eine Gentherapie einsetzte. Als einzige Frau ist Hildegard von Bingen vertreten, die mit ihrem teils mystisch geprägten Wissen vom Wirken der Kräuter und Früchte die Heilkunst voranbrachte.
Am Anfang jeder Lebensbeschreibung steht eine Geschichte, die jüngeren Lesern den Einstieg in historische Besonderheiten erleichtert. Manch krasse Schilderung weckt das Interesse: so etwa, dass Ambrois Paré im 16. Jahrhundert Wunden mit heißem Holunderöl ausbrannte oder Wilhelm Röntgen nach der Entdeckung der “X-Strahlen” den Arm seiner Frau gleich eine halbe Stunde lang durchleuchtete. Besonders aufregend sind Selbstversuche: Max von Pettenkofer kippte im 19. Jh. eine Brühe mit Cholerabazillen wie einen Kräuterlikör in sich hinein, nur um zu zeigen, dass die Bazillen allein die Krankheit nicht hervorrufen können (damit irrte er, hatte selbst jedoch Glück). Wilhelm Forßmann, Erfinder des Herzkatheters, schob sich 1928 selbst einen Schlauch über die Armvene bis zum Herzen.
Mit den zahlreichen interessanten Anekdoten würdigt der promovierte Biologe die oft kauzigen Männer im Kontext ihrer Epoche, um danach ihre Leistungen in den Mittelpunkt zu stellen. Was hat die moderne Medizin inspiriert? So kann man lernen, dass der arabische Arzt Rhazes schon kurz vor dem Jahr 1000 die Ansätze moderner Krebstherapie erwähnte, der sagenumwobene Doktor Paracelsus aus dem 16. Jahrhundert als “Wegbereiter der Alternativmedizin” gilt oder dass eine Fistel am Hinterteil von Ludwig dem XIV. den Chirurgen zu einem besseren Ansehen verhalf. Alle Forscher, die Weymayr vorstellt, dachten über die Grenzen ihrer Zeit hinaus. Sie verließen die Trampelpfade des Denkens, und ihre Kollegen überschütteten sie nicht selten mit Spott und Hähme. Ein Beispiel: In Bolgna erhielten noch im Jahr 1650 Medizinstudenten ihren Doktortitel nur dann, wenn sie unterschrieben, die Theorie von William Harvey, Entdecker des Blutkreislaufs, nicht zu unterstützen.
Christian Weymayr argumentiert von einem empirischen, streng wissenschaftlichen Standpunkt aus, was sich insbesondere im Kapitel über Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie, zeigt. Gegenüber den Fortschritten der Wissenschaft nimmt er dennoch eine kritsche Perspektive ein. Er verdeutlicht unter anderem, dass Antibiotika, die viele Menschenleben gerettet haben, nicht selten falsch eingesetzt werden, so dass resistente Bakterienstämme entstehen.
Kurz und knapp: Das Buch ist ein vorzügliches Beispiel für guten Wissenschaftsjournalismus. Die fesselnden Texte informieren objektiv über Personen und Dinge, denn dem Autor gelingt es immer, Pro und Contra in die Waagschale zu legen. Eine solche Vorgehensweise schärft nicht zuletzt – sehr allgemein gesprochen – das Denken, und vielleicht sollte diese kleine Geschichte der Medizin angehenden Studenten des Fachs als Pflichtlektüre verordnet werden. Doch es gilt für “alle Alter”: Lesen, lesen, lesen, denn ein solch klares und flüssig geschriebenes Sachbuch ist selten zu finden.
Anne Amend-Söchting


SIKJM Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien
Rezension
Wer hat eigentlich die Impfung erfunden? Seit wann gibt es Kanalisationen, und warum wäscht man sich im Spital die Hände? Dies und noch viel mehr – Röntgenstrahlen, die Kenntnis des Herz- Kreislauf-Systems und der Nerven, der Einsatz von Antibiotika und Invitro- Fertilisation – sind heute Selbstverständlichkeiten. Sie alle mussten aber irgendwann entdeckt werden. Der Wissenschaftsjournalist Christian Weymayr zeigt nicht nur Meilensteine der Medizingeschichte auf, sondern bringt jugendlichen LeserInnen deren Protagonisten auch als Menschen näher. Er zeigt, wie eng der Erfolg einer medizinischen Erfindung mit dem Charakter des Erfinders gekoppelt ist und mit seiner Art, dieser zu Bekanntheit und Akzeptanz zu verhelfen. Louis Pasteur – einem weitsichtigen, äusserst kreativen Menschen – gelang es, dank seinem Gespür für medienwirksame Auftritte seine Erkenntnisse über Keime und Infektionskrankheiten rasch zu verbreiten und als Held gefeiert zu werden. Ignaz Semmelweis dagegen war radikal, frustriert, beleidigt und ungeschickt
in seiner Vermarktung, so dass seine so wichtigen Ideen zur Hygiene zu seiner Zeit keinen Anklang fanden.
Die 20 Kapitel zu je einem Pionier der Medizingeschichte sind spannend aufgebaut und sehr informativ. Von Hippokrates bis French Anderson werden die Menschen im historischen Zusammenhang dargestellt und der Weg ihrer Erfindungen und ihrer Irrtümer beschrieben. Dem Autor gelingt es dabei, LeserInnen ab etwa 12 Jahren Wissen über medizinische Grundlagen, aber auch über aktuelle wissenschaftliche Standards, verständlich und packend zu vermitteln.
Katharina Lötscher Koenig, SIKJM


BKK Fahr, 02.08
Zeitreise durch die großen Entdeckungen der Medizin
Sie galten als Heilkünstler, Quacksalber oder auch mal als Halbgötter in Weiß. Gemeinsam war ihnen, dass sie dem Alten widersprachen, Neues wagten und dabei ihren Ruf oder sogar ihr Leben riskierten. Christian Weymayr lässt in seinem Buch "Hippokrates, Dr. Röntgen & Co." zwanzig Pioniere der Medizingeschichte lebendig werden, berichtet von ihren großen Entdeckungen, ihren Irrtümern und ihrer Bedeutung für die Gegenwart.
Das Buch entführt uns in das antike Griechenland, wo Hippokrates die Medizin als Wissenschaft begründete und in das Feldlazarett des Militärchirurgen Paré, der im 16. Jahrhundert die Wundheilung revolutionierte. Die Wundversorgung von heute baut auf Parés Erkenntnissen auf. Er forderte damals schon, Wunden in Ruhe zu lassen statt mit Öl auszubrennen. Paré erkannte, dass Feuchtigkeit die Wundheilung fördert. So werden heutzutage Pflaster verwendet, die tagelang auf der Wunde bleiben können. Parés Erkenntnisse zeigen, dass der militärische Fortschritt immer auch den medizinischen Fortschritt vorantrieb und der anschließend den Zivilisten zugute kam.
Hildegard von Bingen, 1098 nach Christus geboren, erkannte schon damals das Maßverhalten als Basis für eine gesunde Lebensweise und bewies für die damalige Zeit ein ungewöhnlich eigenständiges Denken. Die heutige Wissenschaft sieht das genauso: Sich bewegen, ausgewogen ernähren, auch einmal genießen, aber alles ohne zu übertreiben, das war ihr Credo. Von Bingen warnte vor Fresslust und anderen Ausschweifungen. Besonders verurteilte sie zu ihrer Zeit das maßlose Fasten und die Magersucht von Nonnen, die damit Gott gefallen wollten.
Auch Paracelsus (1493 bis 1541) hatte grandiose Ideen, die seiner Zeit voraus waren. Er meinte, dass Gott jeder Krankheit ein Heilmittel gegenüber gestellt hat, das in der Natur verborgen liegt. Die Natur ist quasi eine Schatzkiste, in der viele Pharmafirmen heute noch stöbern, Wirkstoffe suchen, entdecken und im Labor nachbauen.
Weiter geht die Zeitreise zur Entdeckung des Blutkreislaufes durch William Harvey, zu Albrecht Haller, der Mitte des
18. Jahrhunderts das Nervensystem erkannte, sowie vielen Anderen.
Besonders begeistert aufgenommen wurde die Erfindung der Röntgenstrahlen. Denn in den Körper hineinsehen zu können, ohne ihn dafür aufschneiden zu müssen, war für die Menschen damals ein Wunder. Inzwischen stehen in den Kliniken heute millionenteure Hightech-Apparate, die sogenannten Tomographen, die schneller, präziser und schonender als die Röntgengeräte arbeiten. Das Prinzip ist aber immer noch das gleiche.
Die erste Gentherapie wurde 1990 von French Anderson durchgeführt. Er half dem kleinen Mädchen Ashanti seine Immunschwäche zu besiegen. Der Versuch löste weltweit Euphorie aus. Doch der große Traum der Ärzte, sogar Erbkrankheiten damit heilen zu können, zerplatze bald.
Beim Herstellen neuer Medikamente sowie der Erforschung und Diagnose von Krankheiten ist die Gentechnik in der Medizin heute unverzichtbar.
"Hippokrates, Dr. Röntgen & Co." ist ein faszinierender Rundgang durch zwei Jahrtausende Medizingeschichte. Besonders spannend sind die kontinuierlichen Einblicke in die Medizin von heute – Wie Tumore entstehen, wie Arzneimittel zubereitet werden, aus welchen Materialien Blut im Film besteht und weitere interessante Ausflüge runden das Buch ab.


Geschichte, 01.08
Hippokrates, Dr. Röntgen & Co
Dem Medizinjournalisten Christian Weymayr gelingt in seinem Buch ein spannender, höchst informativer Einblick in Europas Medizingeschichte. Anhand von 20 Persönlichkeiten, die sich um den Fortschritt in der Medizin verdient gemacht haben, lässt Weymayr den Leser eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen, wo er an historischen Orten die entscheidenden Ereignisse “live” mitverfolgen kann. Dabei bewegen ihn so berühmte Ärzte wie Hippokrates, der Vater der Medizin, oder William Harvey, der Entdecker des Herz-Kreislauf-Systems. Der Autor macht den Leser nicht nur mit den für die Entdeckungen wichtigen Hintergründen bekannt, sondern auch mit den Reaktionen der Zeitgenossen. Kurzbiographien der “Pioniere” sowie die Bedeutung ihrer Errungenschaften vervollständigen die jeweiligen Kapitel zu einem runden Ganzen.
Sascha Dreßel


buchperlen, 26.11.07
Hippokrates, Dr. Röntgen & Co
Ein Buch über die Geschichte der Medizin. Ein Buch über die Menschen, die die Medizin weiterentwickelt haben. Ein Buch über die wichtigsten Entdeckungen in der Medizin. Und ein Buch, das diese wichtigsten Entdeckungen anschaulich erklärt. Das alles wirklich in einem Buch? Ist das nicht ein bißchen viel verlangt? Nein, der Wissenschaftsjournalist Christan Weymayr schafft es. In verschiedenen Kapiteln wird die Geschichte der Medizin anhand von berühmten Medizinern erzählt.
Angefangen bei Hippokrates über Paracelsus bis zu Röntgen und Pasteur. Dazu kommen auch Menschen wie Hildegard von Bingen oder Sebastian Hahnemann. Informativ und spannend. Weymayr hat eine Menge Wissen kompakt zusammengefaßt und interessant dargestellt.
Nora Franziska Schenker, buchperlen.de


Laborjournal, 12.07
Superhelden in weißen Kitteln
Die Vorlieben kleiner Leseratten ähneln sich je nach Alter verblüffend: Bei sabbernden Kleinkindern beherrscht eine weichgezeichnete Kuschelbären-Fauna die Szenerie, ehe Baggerbücher und Polizeiauto-Geschichten die Vorlese-Couch erobern, gefolgt von Dino-, Cowboy- und Astronauten-Fabeln. Gelegentlich sind die Superhelden der Dreikäsehochs auch in weiße Kittel gewandet und kämpfen heldenhaft gegen Grippe und Ebola. Für die letztgenannte Gruppe hat der Medizinjournalist Christian Weymayr sein Lesebuch über „zwanzig Pioniere der Medizingeschichte“ geschrieben. Darunter findet sich manch üblicher Verdächtiger wie Hippokrates, Pasteur und Fleming, aber auch weithin Unbekannte, etwa der französische Militärchirurg (und Erfinder des künstlichen Stehpinkler-Penis’) Ambroise Paré oder der amerikanische Gentherapeut French Anderson (der mit 53 Jahren US-Karatemeister seiner Altersklasse wurde und seit 2006 wegen Kindesmissbrauch im Gefängnis sitzt). Die Geschichten über all diese Pioniere sind kurzweilig, trotzdem detailrichtig erzählt – und die „alternativen Therapien“ nach Hahnemann, von Bingen und Konsorten kommen nicht allzu gut weg. Gut so! Der Lektor des Berlin-Verlags sollte sich allerdings überlegen, ob er die nächste Auflage nicht attraktiver bebildern lässt.
WK


Wissenschaft aktuell, 2.10.07
BUCHTIPP
Heutzutage geht medizinischer Fortschritt meist einen geregelten Gang: Ein Forscher beantragt Geld -- viel Geld --, um mit seinem Team, einer Gruppe von Diplomanden und Doktoranden, gezielt das Verhalten bestimmter Substanzen im menschlichen Körper zu erforschen. Hat das Wissenschaftlerteam etwas herausgefunden, veröffentlicht es seine Ergebnisse in einer Fachzeitschrift, die für alle Fachkollegen möglichst gut zugänglich ist. Doch so geordnet geht der medizinische Fortschritt erst seit wenigen Jahrzehnten vonstatten. Öfter als systematische Untersuchungen stand bei wegweisenden medizinischen Entdeckungen der Zufall Pate. Und die Entdecker waren nur selten die großen Autoritäten ihrer Zunft. Es waren Nonnen und Mönche, Barbiere, Universalgelehrte, die dann und wann auch ein medizinisches Experiment durchführten, sowie gelehrte Außenseiter und politisch oder religiös Verfolgte. Der Medizinjournalist Christian Weymayr hat es nun unternommen, die Geschichte der Medizin seit Hippokrates anhand ihrer größten Pioniere zu erzählen. Sein Buch "Hippokrates, Dr. Röntgen & Co." richtet sich dabei nicht nur an interessierte erwachsene Laien, sondern auch an Kinder und Jugendliche. Dieser Spagat ist Weymayr sehr gut gelungen. Aufgeweckten und lesegeübten Zehnjährigen kann das Buch durchaus schon in die Hand gegeben werden. Gleichzeitig ist es so geschrieben, dass sich Erwachsene nicht unterfordert fühlen.
In jedem Kapitel steht die bahnbrechende Entdeckung im Vordergrund, für die ein Forscher berühmt geworden ist. Weymayr beschreibt in packenden Reportagen, wie der Forscher zu seiner Entdeckung gekommen ist. Anschließend stellt er in jeder seiner 20 Geschichten die Leistung des Forschers in einen größeren Zusammenhang und zeigt, was bis heute davon (nahezu) unverändert gilt. Und ganz nebenbei erfährt man viele Einzelheiten, die bei aller Kuriosität auch immer erhellen, dass es doch in der Medizingeschichte bis heute einige wesentliche Fortschritte gegeben hat. So beschreibt Weymayr im Kapitel über den Chirurgen Ambroise Paré, der die richtige Wundversorgung entdeckt hat, dass noch in der Frühen Neuzeit manche Medizinbücher empfahlen, "nicht die Wunde, sondern das Schwert, das die Wunde geschlagen hatte, zu verbinden." Über Samuel Hahnemann, den Begründer der Homöopathie, erfährt man, dass er trotz vieler Irrtümer immerhin schon "dem menschlichen Leben mörderisch feindliche, unendlich feine, unsichtbare lebende Wesen" erkannt habe, die man erst viel später "Bakterien" nennen sollte.
Jedes Kapitel enthät einen, grau unterlegten, Exkurs über die Bedeutungen und Weiterentwicklungen der Entdeckungen in heutiger Zeit. Im Kapitel über Edward Jenner, den Entdecker des Impfens als Präventivmaßnahme, findet sich ein Exkurs über den heutzutage stattfindenden Streit über "Impfen oder nicht impfen?". Im Kapitel über Paracelsus erfährt man, wie Metalle bis heute in der Liste der Therapeutika für bestimmte Krankheiten stehen. Die Geschichte über Max von Pettenkofer enthält einen kurzen Abriss über die Relevanz von sauberem Wasser.
"Hippokrates, Dr. Röntgen & Co." liest sich spannend wie ein Roman und ist informativ wie ein Lexikon. Die Erwachsenen unter den Lesern hätten sich wohl über eine Auswahlbibliografie zum Weiterlesen gefreut. Doch alles in allem ist es ein sorgfältig geschriebenes Buch, dem viele Leserinnen und Leser zu wünschen sind.
Dr. Doris Marszk, Wissenschaft aktuell


Falter, 26.09.07
Der Titel klingt nach Heldenverehrung
Der Titel klingt nach Heldenverehrung, doch ungeschoren kommen die Porträtierten nicht davon. So mancher wird als eitel oder kritikunfähig geschildert. Der Gentherapie-Pionier French Anderson ist gar als Vergewaltiger eingeknastet. Hildegard von Bingen hält als (einzige) Quotenfrau und Aufhängerin für kritische Worte zu esoterischen Gesundheitslehren her. Bemüht wirken die Episoden, die sich der deutsche Medizinjournalist Christian Weymayr jeweils zum Einstieg ausgedacht hat. Wett macht er es durch Wissensvermittlung von Antibiotika bis Selbstversuch.
Stefan Löffler


Frankfurter Rundschau, 21.09.07
Pioniere der Medizin
Helden in weiß
Im Jahr 1537 tobt in Italien Krieg. Es ist eine blutige Schlacht, an deren Rand ein junger Arzt um das Leben der Verwundeten kämpft. Er ist verzweifelt: Gerade jetzt, während seines ersten Einsatzes als Armeearzt geht ihm das Holunderöl aus. Wie fast alle Ärzte seiner Zeit kocht er es und brennt damit offene Wunden aus.
Nun muss der Arzt improvisieren, greift zu einer Salbe und verbindet das zerfetzte Fleisch einfach so - alles im quälenden Glauben, die Soldaten in den sicheren Tod zu entlassen. Doch er irrt. Am nächsten Tag geht es den Todgeweihten erstaunlich gut. Heute ist sein Name - Ambroise Paré - weltberühmt. Denn mit ihm begann die moderne Wundversorgung.
Parés Geschichte ist eine von 20, die der Biologe und Medizinjournalist Christian Weymayr in seinem neuen Buch "Hippokrates, Dr. Röntgen & Co." erzählt. Er schlägt den weiten Bogen vom berühmten Griechen, der vor 2500 Jahren die medizinische Wissenschaft begründete über den Perser Rhazes, der ein erstaunlich modernes Bild von Krebs und seiner Therapie hatte, bis zum US-Amerikaner French Anderson, der 1990 die erste Gentherapie wagte.
Das Buch ist lebendig und fundiert geschrieben. Da es als Jugendbuch angelegt ist, kommt es ohne spitzfindige Details aus und könnte so manchen Teenager ermuntern, Arzt oder Forscher zu werden. Weil es gleichzeitig aber ein reiches Wissen vermittelt und so manche Entwicklung kritisch kommentiert, ist es auch für Erwachsene eine empfehlenswerte Lektüre. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass schon Hildegard von Bingen auf eine maßvolle Ernährung und viel Bewegung zur Krankheitsvorbeugung setzte?


Stuttgarter Zeitung, 11.09.07
Irrtum und Erfolg in der Medizin
Galenos von Pergamon, genannt Galen, war ein geschätzter Arzt im Rom des 2. Jahrhunderts. Er diente sogar Kaiser Marc Aurel als Leibarzt und jenen, die diesem später im Amt nachfolgten. Galen hinterließ der Nachwelt mit etwa 400 Büchern ein gewaltiges Opus – ein Werk, das fast anderthalbJahrtausende die Bibel für Medizinstudenten und Ärzte war. Ein „Vielschreiber“ sei Galen gewesen, spöttelt der Wissenschaftsjournalist Christian Weymayr augenzwinkernd in seinem großartigen neuen Jugendbuch „Hippokrates, Dr. Röntgen & Co.“, in dem er 20 Pioniere der Medizin porträtiert und ihre Leistungen würdigt. Und er fesselt seine Leserschaft mit Details, die aus heutiger Sicht schon mal amüsant wirken: So glaubte Galen, das Blut fließe nicht, sondern schwappe in den Adern hin und her.
Weymayrs Buch ist ein ungewöhnlicher Beitrag zur Medizingeschichte – keine trockene Lektüre, sondern ein prallbuntes Zeit- und Sittengemälde. Von der Antike bis zur Neuzeit spannt sich der Bogen, von Hippokrates bis French Anderson, dem Wegbereiter der Gentherapie. Jeder Protagonist wird mit einer kleinen Geschichte eingeführt, die ihn und seine Zeit lebendig werden lässt. Man erfährt, wie die Mediziner arbeiteten und forschten, wo sie mutig voranpreschten – und manchmal auch irrten. ml


Neue Zürcher Zeitung, 9.09.07
Jugendsachbuch - Noch vor einer Generation lasen Mädchen ...
Noch vor einer Generation lasen Mädchen Susanne Bardens «Reifen und wirken» und vor zwei Generationen das Albert-Schweitzer-Jugendbuch «Ich komme Ihnen helfen, Herr Doktor». Heute heissen die Mädchen Girls, die Krankenschwestern Pflegefachfrau, und die Halbgötter in Weiss sind auch nicht mehr, was sie einmal waren. Wenn da ein Untertitel «Berühmte Pioniere der Medizin» anpreist, vermutet man erst Rückfall in den Heldenkult. Doch Wissenschaftsjournalist Christian Weymayr benennt Entdeckungen und Irrtümer der Pioniere. So erzählt er, wie Hippokrates die Kunst des Beobachtens einbrachte, er zeigt aber auch, wo der Begründer der Heilkunst im alten Denken verhaftet war, und leitet über zu klinischen Studien heute. Anekdotischer Einstieg, Einordnen der Erneuerung und punktuell Themen unserer Zeit bilden den Raster für alle 20 Kapitel, von Hildegard von Bingen über Militärchirurg Paré, den Penicillin-Entdecker Fleming bis zu den Begründern der In-vitro-Fortpflanzung und der Gentherapie. Erklärungen, Würdigung und Kritik werden überlegt verwoben, so dass die Kapitel je abgerundet sind und das ganze Buch zugleich als leicht verständliche Medizingeschichte taugt. Garantiert informativer und letztlich spannender als jeder Arztroman, aber halt ohne Wimpernklimpern im OP.
Hans ten Doornkaat


Sandammeer – Die virtuelle Literaturzeitschrift, 09/07
Spannender Abriss der Medizingeschichte in Form von zwanzig Kurzbiografien
Viele Jahrhunderte hindurch war der Arztberuf bei weitem nicht so angesehen wie heute. Die Medizin selbst entwickelte sich erst im Zuge der Aufklärung zu einer Wissenschaft, die dem Ideal des Exakten recht nahe kommt. Doch es gab bereits in der Antike und auch im so genannten finsteren Mittelalter Ärzte, die der Medizin wichtige Impulse gaben - und umso mehr von ihnen in der Neuzeit. Dieses Buch spürt den großen Pionieren aus dem Bereich der Medizin nach.
Den Anfang macht, was nicht erstaunt, Hippokrates, der eine wissenschaftliche Denkweise in die Heilkunde einführte, gefolgt von Galen. Anschließend wird ein bedeutender Mediziner des islamisch geprägten Mittelalters porträtiert, Rhazes, der bereits interessante Erkenntnisse zum Thema Krebs vorweisen konnte. Eine andere große Heilerpersönlichkeit des Mittelalters ist Hildegard von Bingen. Tragisch und zwiespältig erscheint die Figur des Paracelsus.
Zu den mutigen Pionieren der Medizin zählt Ambroise Paré, dessen Erkenntnisse zum Wundfieber der klassischen Lehrmeinung widersprachen, der jedoch trotzdem Konsequenzen aus seinen Beobachtungen zog. Zwei weitere Ärzte, die nicht einfach die seit gut anderthalb Jahrtausenden praktisch unveränderten Auffassungen übernahmen, waren William Harvey, der den Blutkreislauf aufklärte, und Albrecht Haller, der am Nervensystem forschte.
Samuel Hahnemann konnte, wiewohl die von ihm eingeführte Homöopathie unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten umstritten ist, einige bedeutende Aspekte zur Medizin beitragen. An der Wende zum 18. Jahrhundert leitete Edward Jenner schließlich eine wahre Revolution ein, indem er die Möglichkeit zur Immunisierung durch Impfung entdeckte.
Es folgen einige Pioniere aus dem 19. Jahrhundert: Ephraim McDowell, der große Fortschritte in der Chirurgie einleitete, Ignaz Semmelweis, der die Bedeutung der Hygiene erkannte und so die Wochenbettsterblichkeit in Krankenhäusern herabsetzte (oder herabgesetzt hätte, wenn man ihn gelassen hätte), Louis Pasteur mit seinen vielseitigen Forschungen zu Mikroorganismen und Max von Pettenkofer, der Erkenntnisse zur Seuchenprävention einbrachte.
Zur Wende zum 20. Jahrhundert trat Wilhelm Conrad Röntgen auf, dessen sensationelle Entdeckung die Diagnostik revolutionieren sollte, gefolgt vom Entdecker des Penicillins, Alexander Fleming. Nicht so bekannt dürfte Werner Forßmann sein, der im Eigenversuch den Herzkatheter entwickelte. Als Christiaan Barnard hingegen zum ersten Mal eine Herztransplantation vornahm, wurde er zum Medienstar - ähnlich wie Robert Edwards und das erste Retortenbaby, Louise Brown.
Mit dem ausgehenden 20. Jahrhundert sanken die Hoffnungen, die, nicht zuletzt aufgrund anfänglicher Erfolge von French Anderson, in die Gentherapie gesetzt wurden. Doch die Medizin wird sich aufgrund ihrer vielfältigen Herausforderungen sicherlich weiterentwickeln, wie der Autor im abschließenden Ausblick zeigt.
Die Medizin gehört zu den Zweigen der Naturwissenschaft, mit denen wir recht unmittelbar in Berührung kommen. Sowohl die Schulmedizin als auch die etablierten Richtungen der "Alternativmedizin" haben eine lange Tradition.
Christian Weymayr, als Biologe und erfahrener Wissenschaftsjournalist mit dem Thema vorzüglich vertraut, vermittelt älteren Kindern und Jugendlichen anhand der zwanzig Ärzte- und Wissenschaftlerporträts einen spannenden Abriss der annähernd 2.500-jährigen Medizingeschichte. Die Auswahl der Persönlichkeiten hat er mit einem bemerkenswerten Maß an Objektivität getroffen: Alle wichtigen Zweige der Heilkunde werden berührt.
Der Autor würdigt die Leistungen der einzelnen Porträtierten und stellt ihre Bedeutung für die Heilkunde heraus. Dem stellt er im Sinne einer ausgewogenen, sachlichen Betrachtung auch Defizite gegenüber, denn wenn mancher Pionier auch auf einem Gebiet Erstaunliches erreichte, so konnte er doch auf einem anderen entgegen allen Beobachtungen und der Logik an der fehlerbehafteten Tradition oder freilich an eigenen, aus heutiger Sicht völlig verqueren Ideen festhalten - und seine Schüler möglicherweise für Generationen nach ihm.
Anhand von altersgerecht erstellten Infokästen können sich die Leser interessantes und zum Verständnis der Medizingeschichte relevantes Wissen aneignen und sich kritisch mit verschiedenen heilkundlichen Strömungen auseinandersetzen. Modische Verteufelungen von schulmedizinischen Methoden, etwa der mit Bedacht vorgenommenen Antibiotika-Anwendung, findet man in diesem Buch nicht, wohl aber zeigt der Autor Missbrauch kritisch auf.
Der Umfang des Buchs ist für Kinder unter Umständen eine Herausforderung. Da das Thema jedoch fasziniert und das Werk aufgrund der kurzweiligen, spannenden Darstellung die Leser fesselt, lässt es sich, wenn auch vermutlich etappenweise, dennoch gut bewältigen.
Ein wirklich gelungenes, sehr informatives Kinder- und Jugendsachbuch!
(Regina Károlyi; 09/2007)
http://www.sandammeer.at






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